
Am 10. Februar 2026 fand auf Initiative von Re-Use Austria-Aufsichtsrätin und Bundessprecherin für soziale Textilwirtschaft Karoline Mätzler ein richtungsweisendes Treffen zur Zukunft der Textilsammlung in Österreich statt. Bundes-AMS-Vorständin Petra Draxl lud zu einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde ein, um eine zentrale Frage zu diskutieren:
Wie können Textilsammlung, Sortierung und Re-Use im geplanten System der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) sozial, ökologisch und arbeitsmarktpolitisch wirksam umgesetzt werden?
Vertreter:innen aus Arbeitsmarktpolitik, Abfallwirtschaft und Sozialen Unternehmen kamen auf Einladung von AMS, Re-Use Austria und arbeit plus zusammen. Moderiert wurde der Austausch von Melanie Spangler, Geschäftsführerin von arbeit plus Tirol.
Nachhaltige Veränderungen und Zukunftschancen
Mit der Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien steht Österreich vor einem Systemwechsel: Hersteller sollen künftig stärker Verantwortung für Sammlung, Verwertung und Wiederverwendung übernehmen. Daraus ergeben sich neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Im Zentrum der Diskussion stand daher die Frage, wie das neue System so gestaltet werden kann, dass es:
- Wiederverwendung vor Recycling stellt
- regionale Wertschöpfung stärkt
- hochwertige Arbeits- und Transitarbeitsplätze sichert
- Soziale Unternehmen strukturell einbindet
Status quo und gesetzliche Rahmenbedingungen
Im Rahmen der Diskussionsrunde wurden zunächst aktuelle Entwicklungen in Abfallwirtschaft und Arbeitsmarktpolitik thematisiert sowie nationale und europäische Vorgaben beleuchtet. Die getrennte Sammlung von Alttextilien und die kommenden EPR-Regelungen verändern die Rahmenbedingungen grundlegend.
Soziale Unternehmen können im Zuge dessen eine essenzielle Rolle einnehmen, denn sie verfügen bereits über umfassende Erfahrung in:
- Sammlung von Alttextilien
- qualitätsgesicherter Sortierung
- Vorbereitung zur Wiederverwendung
- regionalem Wiederverkauf in Re-Use-Shops
- arbeitsmarktpolitischer Qualifizierung und Integration benachteiligter Menschen
Diese Kompetenzen sind entscheidend für eine sozial-ökologische Ausgestaltung der Textilsammlung.
Gemeinsames Commitment für ein sozial wirksames System
Zentrales Ergebnis des Zusammentreffens der Expert:innenrunde war die gemeinsame Zielsetzung, Textilsammlung, Aufbereitung und Wiederverkauf im künftigen System unter aktiver Einbindung Sozialer Unternehmen umzusetzen.
Die Teilnehmenden bekannten sich dazu, die Beschäftigungswirkung, regionale Verankerung und ökologische Kompetenz sozialwirtschaftlicher Betriebe systematisch zu berücksichtigen.
Re-Use als arbeitsmarktpolitisches Instrument
Re-Use Austria betont seit seiner Gründung die doppelte Dividende der Wiederverwendung:
Jedes Produkt, das wiederverwendet wird, spart Ressourcen, Energie und CO₂ – und schafft gleichzeitig Beschäftigung. Gerade im Textilbereich ist die arbeitsintensive Sortierung und Aufbereitung ein Bereich, in dem qualitätsvolle Arbeitsplätze entstehen können. Sozialwirtschaftliche Betriebe bieten hier Transitarbeitsplätze, Qualifizierungsangebote und nachhaltige Integrationsperspektiven für langzeitarbeitslose Menschen.
Ausblick: Jetzt die Weichen richtig stellen
Mit der Einführung der Herstellerverantwortung für Textilien steht Österreich an einem entscheidenden Punkt. Die kommenden Monate werden maßgeblich dafür sein, ob ein System entsteht, das ökologische Ziele ernst nimmt, soziale Wirkung systematisch verankert und bestehende, funktionierende Re-Use-Strukturen stärkt statt verdrängt.
Re-Use Austria wird sich weiterhin aktiv in diesen Prozess einbringen – als Stimme der sozialwirtschaftlichen Re-Use-Betriebe und als Partner für eine sozial gerechte Kreislaufwirtschaft.
Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten für den konstruktiven, lösungsorientierten Dialog und das gemeinsame Engagement für eine nachhaltige Zukunft der Textilsammlung in Österreich.
Foto © arbeit plus Tirol, v. l. n. r.: Rainer Kronberger (MA48 Stadt Wien & Städtebund), Michael Bartmann (ARGE der österreichischen Abfallwirtschaftsverbände), Sarah Warscher (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft), Matthias Neitsch (Re-Use Austria), Hannes Edlinger (Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz), Judit Marte-Huainigg (AMS Österreich), Karoline Mätzler (Re-Use Austria / arbeit plus Österreich), Petra Draxl (AMS Österreich), Hannelore Miller (AMS Österreich), Sabine Rehbichler (arbeit plus Österreich), Vertreter aus Deutschland (zu Besuch bei BMASGPK), Ferdinand Koch (VÖA). Nicht am Bild: Christian Holzer (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft).


