
Der neue BKN Monitor Kringloop 2025 der niederländischen Branchenvereinigung BKN zeigt eindrucksvoll, welche Größenordnung sozialwirtschaftlich geprägte Re-Use-Strukturen erreichen können. Die 57 BKN-Mitgliedsorganisationen mit 237 Shops sammelten 2025 rund 164.000 Tonnen Gebrauchtwaren. Umgerechnet auf die Bevölkerung der Niederlande entspricht das 8,94 kg pro Einwohner:in. Zum Vergleich: Der gesamte österreichische Re-Use-Sektor kam laut Markterhebung 2024 final.docx auf 57.679 Tonnen bzw. 6,30 kg pro Einwohner:in; die Re-Use-Austria-Mitglieder bewegten 30.184 Tonnen bzw. 3,30 kg pro Einwohner:in.
Bei der tatsächlichen Wiederverwendung liegen die BKN-Mitglieder rechnerisch bei rund 5,10 kg Re-Use pro Einwohner:in. Der österreichische Gesamtsektor erreicht 3,71 kg pro Einwohner:in, die Re-Use-Austria-Mitglieder 2,21 kg pro Einwohner:in. Gleichzeitig zeigt sich eine wichtige österreichische Stärke: Die Re-Use-Quote des österreichischen Gesamtsektors liegt mit 58,9 % sogar leicht über dem BKN-Wert von 57 %. Österreich hat also weniger Menge pro Kopf im System, nutzt die erfassten Mengen aber sehr effizient für Re-Use.
Re-Use-Zahlen im Inland
Besonders relevant für die österreichische Diskussion ist der Blick auf Inlands-Re-Use. In Österreich wurden 13.132 Tonnen direkt über Shops, Onlinehandel oder Gratisabgabe im Inland wieder in Umlauf gebracht – das entspricht 1,43 kg pro Einwohner:in. Davon entfielen 9.554 Tonnen bzw. 1,04 kg pro Einwohner:in auf Re-Use-Austria-Mitglieder. Dieser Wert ist für die politische Argumentation besonders bedeutend, weil er regionale Kreisläufe, soziale Zugänglichkeit und eine geringere Abhängigkeit von krisenanfälligen Exportmärkten sichtbar macht. Für BKN ist in den vorliegenden Daten kein direkt vergleichbarer Inlands-Re-Use-Wert getrennt ausgewiesen.
Wirkung auf Klima
Auch bei der Klimawirkung zeigt sich die Bedeutung des Sektors. BKN nennt 195 Mio. kg CO₂-Einsparung, das entspricht 10,63 kg pro Einwohner:in. Die Re-Use-Austria-Mitglieder kommen mit 91,944 Mio. kg CO₂e auf 10,04 kg pro Einwohner:in; der gesamte österreichische Re-Use-Sektor liegt mit 184,065 Mio. kg CO₂e bei rechnerisch 20,09 kg pro Einwohner:in. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungsmethoden sollte dieser Wert vorsichtig interpretiert werden, zeigt aber klar: Re-Use ist auch in Österreich ein relevanter Klimaschutzhebel.
Entwicklungspotenzial für Österreich
Die niederländischen Zahlen machen zugleich deutlich, wo für Österreich Entwicklungspotenzial liegt: BKN erreicht 16 Mio. Kund:innenkontakte, also 0,87 pro Einwohner:in und Jahr. Die Re-Use-Austria-Mitglieder erreichten 2,89 Mio. Kund:innenkontakte, also 0,32 pro Einwohner:in und Jahr. Gleichzeitig betreibt Re-Use Austria pro Kopf sogar mehr Shops: 19,8 Shops pro Mio. Einwohner:innen gegenüber 12,9 Shops pro Mio. Einwohner:innen bei BKN. Daraus lässt sich ableiten: Österreich verfügt über eine starke dezentrale Struktur, die aber bei Sichtbarkeit, Kundenfrequenz, Marktdurchdringung und Shop-Performance noch deutliches Wachstumspotenzial hat.
Fazit
Für Re-Use Austria bestätigt der Vergleich drei zentrale Forderungen: Erstens braucht es eine konsequente Einbindung sozialwirtschaftlicher Re-Use-Betriebe in kommunale Sammel- und EPR-Systeme. Zweitens müssen Inlands-Re-Use, hochwertige Sortierung und regionale Shop-Strukturen gezielt finanziert werden. Drittens zeigen die niederländischen Benchmarks, dass Re-Use nicht nur Abfallvermeidung ist, sondern eine leistungsfähige soziale Infrastruktur für Klimaschutz, Ressourcenschonung und Beschäftigung.


