
Am 18. Juni 2026 hatte Re-Use Austria die Gelegenheit, an einem hochrangigen Stakeholder-Gespräch mit Eric Mamer, Generaldirektor Umwelt der Europäischen Kommission, in Wien teilzunehmen.
Im Rahmen eines Roundtables im Haus der Europäischen Union trafen Vertreter:innen aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen, um zentrale Fragen der künftigen europäischen Kreislaufwirtschaftspolitik zu diskutieren.
Klare Erwartungen an den Circular Economy Act
Für Re-Use Austria und das europäische Netzwerk RREUSE brachte Matthias Neitsch drei zentrale Forderungen in die Diskussion ein:
- Verbindliche und eigenständige Re-Use-Ziele, einschließlich Mindestquoten
- Stärkere finanzielle Anreize und regulatorische Rahmenbedingungen, die die Einbindung von Sozialunternehmen in EPR-Systeme sicherstellen
- Konsequente Priorisierung von Abfallvermeidung und Wiederverwendung im Einklang mit den obersten Stufen der Abfallhierarchie
Diese Forderungen sollen nicht nur in der Weiterentwicklung der Abfallrahmenrichtlinie berücksichtigt werden, sondern auch systematisch im zukünftigen Circular Economy Act sowie in der Elektroaltgeräte-Gesetzgebung verankert werden.
Re-Use als Schlüssel für Europas strategische Ziele
Ein zentrales Thema des Austauschs war die Frage, welchen Beitrag die Kreislaufwirtschaft zur strategischen Autonomie Europas leisten kann.
Aus Sicht von Re-Use Austria reicht Recycling allein nicht aus, um die Herausforderungen der Ressourcenabhängigkeit und der wirtschaftlichen Resilienz zu bewältigen. Stattdessen muss der Fokus stärker auf den Erhalt von Produkten und deren Wert gelegt werden. Re-Use und Reparatur leisten hier einen wesentlichen Beitrag, indem sie den Bedarf an Primärrohstoffen reduzieren, regionale Wertschöpfungsketten stärken und stabile, lokale Beschäftigung schaffen
Sozialwirtschaft als Motor der Transformation
Besondere Aufmerksamkeit galt der Rolle der Sozialwirtschaft. Sie fungiert bereits heute als eine Art „Regulatory Sandbox“, in der innovative Modelle für Wiederverwendung und Reparatur in Synergie mit sozialpolitischen Zielsetzungen entwickelt und erprobt werden – auch unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen.
Die angestrebte Transformation bedeutet einen grundlegenden Wandel: von einer industriellen Produktion hin zur industriellen Erhaltung von Produkten und Gütern. Dieser Wandel setzt stärker auf arbeitsintensive, lokale Tätigkeiten, wird durch digitale Werkzeuge – etwa Künstliche Intelligenz – unterstützt und ergänzt bestehende industrielle Strukturen.
Eine sozial gerechte Kreislaufwirtschaft gestalten
Im Dialog wurde auch deutlich, dass der Übergang zur Kreislaufwirtschaft soziale Auswirkungen haben wird. Eine erfolgreiche Transformation muss daher sicherstellen, dass:
- neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen
- insbesondere benachteiligte Gruppen eingebunden werden
- soziale und wirtschaftliche Stabilität gewährleistet bleibt
Genau hier zeigt die Sozialwirtschaft ihre Stärke: Sie verbindet ökologische Ziele mit sozialer Integration und trägt dazu bei, den Wandel politisch und gesellschaftlich tragfähig zu gestalten.
Positive Signale aus dem Austausch
Auch von Seiten der Europäischen Kommission wurde unterstrichen, dass Re-Use und Reparatur eine wichtige Rolle spielen, um die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und den Bedarf an neuen Ressourcen zu reduzieren. Es zeigte sich, dass die Weiterentwicklung der europäischen Kreislaufwirtschaft – insbesondere im Rahmen des Circular Economy Act – ein zentrales politisches Handlungsfeld bleibt.
Fazit: Jetzt bestehende Lösungen skalieren
Die zentrale Botschaft von Re-Use Austria ist klar: Die Grundlagen für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft sind bereits vorhanden – nun gilt es, sie konsequent weiterzuentwickeln und zu skalieren. Dazu gehören insbesondere:
- verbindliche Re-Use-Ziele
- gezielte Förderung der Sozialwirtschaft
- eine stärkere Ausrichtung der Politik auf Abfallvermeidung und Wiederverwendung
Nur so kann Europa seine strategischen Ziele erreichen, resiliente Wertschöpfungsketten aufbauen und eine sozial gerechte Transformation sicherstellen.


