
Ein im April 2026 veröffentlichter Report von Re-Use Austria und dem europäischen Dachverband RREUSE macht deutlich: Sozialunternehmen spielen bereits heute eine zentrale Rolle dabei, Möbel und Matratzen länger im Umlauf zu halten. Gleichzeitig macht die Studie sichtbar, welche strukturellen Hürden es noch gibt, damit diese Arbeit in größerem Maßstab wirken kann.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jedes Jahr werden in der EU rund 10,5 Millionen Tonnen Möbel verbraucht, aber nur etwa 10% davon werden recycelt. Bei Matratzen ist die Lage ähnlich problematisch: Bis zu 30 Millionen Stück werden jährlich entsorgt, obwohl fast 85% ihres Materials technisch recycelbar wären. Der Report versteht das nicht nur als Umweltproblem, sondern auch als soziale Frage, weil Zugang zu leistbaren Einrichtungsgegenständen für viele Haushalte entscheidend ist.
14 Fallstudien aus ganz Europa
Der Report „Social Enterprises‘ Role in Furniture and Mattress Circularity“ basiert auf 14 detaillierten Fallstudien aus Österreich, Belgien, Tschechien, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Irland, Italien, Slowenien, Spanien und UK.
Dargestellt werden innovative Ansätze wie etwa ein Kitchen Rescue-Programme in Irland (Habitat ReStore), die Küchen vor der Entsorgung retten, oder Polsterwerkstätten in Frankreich (Label Emmaüs), die Möbel restaurieren, anstatt sie zu ersetzen. Andernorts trennen Matratzen-Demontage-Werkstätten Materialien sortenrein (Envie 2E Lorraine) und Möbelbanken in Tschechien (Reuse Federace) machen essentielle Güter für bedürftige Haushalte zugänglich.
Die größten Hürden
Trotz messbarer Wirkung stehen Sozialunternehmen vor systemischen Herausforderungen. Begrenzter Platz ist ein zentrales Problem – fehlende Lager- und Reparaturflächen für sperrige Güter bremsen die Arbeit aus. Unsichere Finanzierung durch kurzfristige Förderung verhindert langfristige Investitionen.
Qualifikationslücken fehlen bei spezialisierten Skills und Logistik-Kapazitäten. Sinkende Spendenqualität durch „Fast Furniture“ führt zu minderwertigen Donationen. Der Zugang zu öffentlicher Beschaffung ist schwierig, da Vergabe oft nach Niedrigstpreis statt nach Impact erfolgt. Schließlich gibt es Schwierige Business-Partnerschaften: Trotz gemeinsamer Ziele wenig Kooperation mit Mainstream-Unternehmen.
Was gebraucht wird: Schlüssel-Enabler für Skalierung
Mit der richtigen Unterstützung könnten Sozialunternehmen europaweit deutlich mehr Möbel und Matratzen in Kreislauf führen. Dafür sind allerdings etwa stärkere Public-Private-Partnerships sind nötig. Politische Rahmenbedingungen wie etwa die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) würden zudem stabile Materialströme und faire Entschädigung bringen. Investitionen in Skills, Infrastruktur und digitale Tools sind ebenso erforderlich, wie Pilotfinanzierungen um neue zirkulärer Modelle testen und skalieren zu können.
Fazit: Inklusive Zirkularität ist machbar
Sozialunternehmen machen Zirkularität täglich in der Realität möglich. Sie sind Innovatoren, die tief mit ihren Gemeinden verbunden sind, Materialien länger nutzen und Jobs für Menschen schaffen, die sie am meisten brauchen.
RREUSE ist Europas größtes Netzwerk von Sozialunternehmen in der Kreislaufwirtschaft mit Fokus auf Wiederverwendung, Reparatur und Recycling.
Der Report ist Teil des Projekts „Social Enterprises‘ Role in Furniture and Mattress Circularity“, finanziert von IKEA Social Entrepreneurship.


